Altersbestimmung Eiche am Oelpfad

Habe am 22.6.2016 eine Antwort von einem Wachstums-Experten auf die folgende Anfrage an Herrn Kohnle (Prof. Dr. Ulrich Kohnle, Abt. f. Waldwachstum der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Ulrich.Kohnle@forst.bwl.de) bekommen:

"Hallo Herr Kohnle,

ich habe ihre E-Mail-Adresse aus der Seite waldwissen.net entnommen und schreibe für den Historischen Verein Holzwickede.

Wir haben in Holzwickede eine freistehende Eiche, die bislang aufgrund des Umfangs auf ein Alter von 160 – 180 Jahren geschätzt wurde. Auf Luftbildern des Jahres 1926 fehlt diese Eiche aber, sie muss also deutlich jünger sein als diese geschätzten ca. 170 Jahre. Wir haben einen Zeitzeugen gefunden, der sich erinnert, den Baum 1950 als junge Eiche (ca. 10-15 Jahre ) gesehen zu haben. Eine aktuelle Messung des Umfangs (in ca. 150 cm Höhe) ergab heute 395 cm. Das wäre nach dem Wert von 2,5 cm Umfang/Jahr, den ich im Internet für freistehende Eichen gefunden habe, ein Alter von 158 Jahren. Bzw., ein angenommenes Keimdatum von 1935 zugrunde gelegt, ein Umfangswachstum von knapp 4,9 cm / Jahr.

Der Baum steht unter Schutz, absägen und Ringe zählen verbietet sich also zur Altersbestimmung. 😉
Können Sie uns evtl. helfen, diese Diskrepanz zwischen Umfang und Luftbild zu klären?
"

Ulrich Kohne:
"Sehr geehrter Herr Heidemann,
bei Zugrundelegung eines Umfangs von 395 cm (Durchmesser 63 cm) und dem Keimjahr 1935 (Alter 2016: 81 Jahre) würde sich (nach pauschalem Abzug einer angenommenen Rindenstärke) eine mittlere Jahrringbreite von ca. 3-4 mm errechnen. Das ist für eine Eiche zwar nicht gerade wenig – für einen solitären auf wuchskräftigem Standort stehenden Baum aber wahrscheinlich noch im Bereich des Möglichen. Allerdings müssten sie tatsächlich nachbohren – was für eine Eiche mit einem sogenannten „Zuwachsbohrer“ eigentlich völlig unproblematisch ist.
"

am gleichen Tag Nachfrage von mir:
" In Ihrer Rechnung hat sich aber ein Fehler eingeschlichen: Beim Umfang von 395 cm beträgt der Durchmesser ca. 126 cm und der Radius 63 cm. Damit wurde sich die von Ihnen angegebene mittlere Jahrringbreite verdoppeln und auf einen Wert von 6-8 mm kommen. Kommen wir damit in Bereiche von Rekordwachstum?
Die Wachstumsbedingungen am Standort sind jedenfalls in den letzten 90 Jahren ideal gewesen. Der Baum stand die ersten ca. 40 Jahre völlig frei mitten auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche. Direkt neben ihm verlief mindestens die ersten 20 Jahre ein Graben oder kanalisierter Bachoberlauf, der anschließend zugeschüttet wurde. Licht und Wasser sind also ausreichend verfügbar.
Kennen Sie möglicherweise Baumforscher in NRW, die sich für stark wachsende solitäre Eichen interessieren könnten?"

postwendend die Antwort von Herrn Kohnle:
"[…]da haben Sie natürlich völlig recht. Und bei einem mittleren jährlichen Durchmesserzuwachs von etwas unter 1 cm würde man bei Eiche tatsächlich luxurierendes (eher unwahrscheinliches) Wachstum unterstellen. Da hilft m.E. nur eines: Bohren!"


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